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27/05/2011 Gleichstellung von Frauen und Männern: Gibt es bald Quoten in Europas Großunternehmen?

60 % aller Hochschulabsolventen in Europa sind Frauen. 90 % aller Vorstands- bzw. Aufsichtsratsmitglieder der großen börsenotierten Unternehmen in Europa sind Männer. Was läuft da falsch? Der Bericht, über den der Ausschuss "Rechte der Frau und Gleichstellung der Geschlechter" (FEMM) am Mittwoch, dem 25. Mai abstimmt, fordert die Europäische Union auf, den Spieß umzudrehen und einen höheren Frauenanteil in den Führungsgremien der großen europäischen Unternehmen zu garantieren.

Zauberformel Quote?

Der Bericht sieht zu diesem Zweck in der Einführung von Quoten ein wirksames Instrument. Immerhin hat sich das Verfahren bewährt, z. B. in Norwegen – in der Frage der Gleichstellung der Geschlechter das fortschrittlichste Land der EU. Dort müssen börsennotierte Unternehmen seit 2003 einen Frauenanteil von 40 % im Vorstand oder Aufsichtsrat vorweisen, ansonsten droht ihnen Strafe oder Auflösung.

Ebenso unterstreicht der Bericht die Überzeugungskraft der alleinigen Möglichkeit der Verabschiedung einer Quotenregelung. Er führt dazu das Beispiel Frankreichs an, das 2008 noch 7,6 % Frauen in Führungspositionen zählte, gegenüber 11,9 % im Jahr 2010 (da war das neue Gesetz gerade in Vorbereitung).

Die Berichterstatterin Rodi Kratsa-Tsagaropoulou (EVP) betont trotz allem, dass es für das Problem des Sexismus in der Unternehmenswelt keine Patentlösung gibt. Im Gegenteil, in einem Interview im Europäischen Parlament macht sie auf die Vielschichtigkeit der Situationen aufmerksam, die berücksichtigt werden müssen, wenn bis 2015 die Schwelle der 40 % in ganz Europa erreicht sein will, denn nicht alle Länder kämen im gleichen Rhythmus voran: Einige seien sehr weit von dieser Zahl entfernt, andere wiederum hätten sie dank vorausschauender Maßnahmen, die die Unternehmen oder Mitgliedstaaten bereits von sich aus ergriffen haben, so gut wie erreicht.

Die zurückhaltende Position der Europäischen Kommission

Als Hauptakteur bei der Umsetzung verbindlicher Politiken wird die Europäische Kommission vom Parlament dazu aufgefordert, einen Schritt weiter in Richtung einer echten Gleichstellung der Geschlechter zu gehen – diese Forderung wird jedoch eher zurückhaltend formuliert: Erst nach "eine[r] vollständige[n] Bestandsaufnahme zur Präsenz von Frauen in den Unternehmen der Europäischen Union" und für den Fall "dass die Maßnahmen, die die Unternehmen und die Mitgliedstaaten von sich aus getroffen haben, nicht ausreichen" soll die Kommission „über konkrete Maßnahmen nachdenken". In der Quotenfrage hat die europäische Exekutive nämlich nicht ganz so kühne Vorstellungen wie der Bericht von Rodi Kratsa-Tsagaropoulou: Die Kommission will bis 2015 30 % Frauen in den Führungsgremien, und 40 % bis 2020.

Im Juli soll der Bericht dem Plenum vorgelegt werden. Anschließend ist die Europäische Kommission an der Reihe, einen Zeitplan und konkrete Vorschläge für die Mitgliedstaaten zu erarbeiten.

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