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09/01/2012 Januar 2012 – Verschwendung von Nahrungsmitteln vermeiden

Auch für das Europäische Parlament geht es nun wieder richtig los! Die nächste Plenarsitzung wird vom 16. bis 19. Januar stattfinden. Neben der Wahl des Präsidenten und Vizepräsidenten des Parlamentes, wird sich ein wichtiges Thema dieser Sitzung um die Nahrungsmittelkette drehen: Unregelmäßigkeiten innerhalb der Nahrungsmittelversorgung, beim Handel von Agrarprodukten oder auch die Verschwendung von Nahrungsmitteln. Der italienische Europaabgeordnete Salvatore Caronna (S&D) hat zu letzterem Thema einen Bericht angefertigt, der sich vor allem darauf konzentriert, wie die Verschwendung vermieden werden kann.

Nach einer Studie der Europäischen Kommission hat sich die Verschwendung von Lebensmitteln in den 27 Mitgliedsstaaten der EU auf 89 Millionen Tonnen (das sind 179kg pro Person) erhöht. 2020 dürfte diese Zahl noch um 40 Prozent steigen und 140 Millionen Tonnen erreichen. Nun betrifft diese Verschwendung durchaus auch noch essbare Lebensmittel. Auf der anderen Seite wäre es nach der FAO (Welternährungsorganisation) möglich, durch die Verringerung der Verluste nach der Ernte (um die 14 Prozent) und die Verluste im Bereich des Handels und des Konsums, drei Fünftel der notwendigen weltweiten Produktionssteigerung bei Weizen bis 2050 abzudecken.

Um die öffentliche Meinung zu alarmieren und die Mitgliedsstaaten, den Rat und die Europäische Kommission zum Handeln zu bewegen, schlägt der Bericht vor, die Verschwendung von Lebensmitteln als eine Priorität auf die europäische Tagesordnung zu setzen. Er schlägt unter anderem vor, das Jahr 2013 als „Jahr zum Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung“ auszurufen. 

Mit dem Ziel, die Nahrungsmittelverschwendung bis 2025 um die Hälfte zu verringern, stellt der Bericht die Weichen für dessen Reduzierung auf allen Stufen der Nahrungskette. Dabei soll auch den verschiedenen betroffenen Bereichen Rechnung getragen werden:  sei es das Klima oder die Wirtschaft.

Aber vor allem unterstrichen die Europaabgeordneten die Unschärfe um die Definition der Lebensmittelverschwendung und besonders den existierenden Unterschied zwischen dieser Begrifflichkeit und dem des Lebensmittelabfalls. Die Lebensmittelverschwendung betrifft alle Produkte, die aus der Nahrungskette aus wirtschaftlichen oder ästhetischen Gründen entfernt werden – oder auch aus Gründen eines näher rückenden Verfallsdatums. Aber diese Lebensmittel sind immer noch essbar. Diese Lebensmittel nicht zu verwenden führt dazu, dass sie als Abfälle behandelt werden. Ihre Vernichtung hat viele negative Auswirkungen – ebenso in wirtschaftlicher als auch in ökologischer Hinsicht.

Ein wichtiger Umweltaspekt, der zu berücksichtigen ist

Die Umweltfolgen der Lebensmittelverschwendung sind beeindruckend. So produzieren „die Berge der nicht-konsumierten Lebensmittel“ laut den Europaabgeordneten eine große Menge von Methan. Das Treibhausgas ist 21 Mal wirksamer für das Klima als Kohlendioxid. Dessen Produktion ist einerseits den Emissionen bei der Produktion der Lebensmittel geschuldet aber auch ihrer Aufbereitung und beim Transport.

Wussten Sie das?

In Europa produzieren 89 Millionen Tonnen vergeudete Lebensmittel 170 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.


Die Abgeordneten halten die Mitgliedsstaaten dazu an, eine nachhaltige Produktion auf kleinem und mittleren Niveau zu fördern, die mit dem Verbrauch und den lokalen und regionalen Märkten verknüpft ist. Um das auch umzusetzen, fordern sie zudem die Europäische Kommission auf, im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) genügend Finanzierungsmittel zu garantieren, um den ersten Sektor wie auch kurze Lieferwege zu fördern.

Die Europaabgeordneten wollen auf der anderen Seite, dass die Europäische Kommission sich mit den Folgen der zwanghaften Politik des Abfalls und des Verhaltens von Lebensmittelverschwendung beschäftigt. Um sich zu einer solchen Politik zu positionieren, fordern sie die Integration des Verursacher-Prinzips.

Eine Einbeziehung aller Akteure der Nahrungskette

Bevor der Bericht auf konkrete Vorschläge eingeht, geht dieser auf die verschiedenen Ursachen der Lebensmittelverschwendung ein. So wird aufgedeckt, dass dieses Phänomen alle Stufen der Lebensmittelproduktion betrifft: Überproduktion, Beschädigung der Produkte, die Normen bei der Markteinführung, schlechtes Management der Lager oder auch Marketingstrategien. Der Bericht spricht sich deshalb für eine Verbesserung der Behandlung, der Aufbereitung und des Transports  aus –sei es bei der Weiterverarbeitung, bei den Einzelhändlern oder von Seiten der Mitgliedsstaaten.

Die erste Etappe der Nahrungskette ist die Produktion. Der Bericht unterstreicht, dass die Landwirtschaft ihre vorhandenen Ressourcen effizient nutze. Dieser Bereich könne so eine bedeutende Rolle im Kampf gegen die Verschwendung spielen. Der Bericht hält die Europäische Kommission deshalb dazu an, diesen Faktor in die nächsten Gesetzesvorschläge mit einzubeziehen. Unter anderem wollen die Europaabgeordneten ebenso eine gemeinsame Aktion für Investitionen in den Bereichen der Forschung, Wissenschaft, Technologie, Bildung, der Beratung und der Agrarinnovation mit dem Ziel ins Leben rufen, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.

Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung in einem industrialisierten Land

Die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln in Entwicklungsländern könnte mit der Verbesserung der landwirtschaftlichen Infrastruktur und der Produktionstechnik ausgeweitet werden. Die europäischen Abgeordneten fordern die Europäische Kommission dazu auf, Aktionen in dieser Hinsicht zu unterstützen.

Der Bericht erwähnt ebenso die Notwendigkeit einer Empfehlung seitens der Europäischen Kommission und den Mitgliedsstaaten für die Kühlkette. Denn wenn die Temperatur nicht sachgerecht eingestellt ist, riskiert man, dass die Lebensmittel nicht mehr konsumierbar sind.

Der Bericht unterstreicht, dass die Definition der Kalibrierung und der Form der Früchte und von frischem Gemüse ebenfalls eine Quelle der Verschwendung ist. Auch wenn es logisch erscheint, fordern die Abgeordneten die Akteure der Auslese dazu auf, sich bewusst über den ernährungstechnischen Wert von Produkten zu werden – auch wenn diese perfekt kalibrierten Formen besitzen.

Des Weiteren haben sich die Europaabgeordneten auch mit der Verbindung von Lebensmittelverschwendung, Verpackung und Etikettierung der Nahrungsmitteln beschäftigt. Sie berufen sich zudem auf eine Umfrage der Europäischen Union, bei der 18 Prozent der europäischen Bürger angaben, die Bedeutung „zu verbrauchen bis“ nicht verstehen würden. Die Unternehmer sind deshalb aufgerufen, die Daten auf den Etiketten besser auszuschildern, um dem Verbraucher eine klare Wahlmöglichkeit zu geben. Es ist sicherzustellen, dass

  • der Vermerk „mindestens haltbar bis “, sich auf die Qualität der Produkte bezieht;
  • der Vermerk „zu verbrauchen bis“ sich auf die Sicherheit des Produktes bezieht.

Die Abgeordneten wollen unter anderem Investitionen in Methoden zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung innerhalb der Agarindustrie voranbringen. Die Reduzierung der Verluste der Lebensmittel erzeugt zudem auch eine Verringerung der Preise. Deshalb fordert der Bericht von der Kommission: 

  • die Instrumente und Aktionen zu definieren, die die Vertreter der Agrarindustrie dazu anhalten sollen, sich mehr im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung zu engagieren (Nahrungsmittelunternehmen, große Märkte, Handelsketten, etc.)
  • die Agrarindustrie mit ihrer Verantwortung zu konfrontieren und sie anzuhalten, die Volumina der Verpackungen zu überdenken, um sich an die verschiedenen Haushalte anzupassen

Zuletzt gibt es in dem Bericht auch Anordnungen, was das Verhalten der Verbraucher betrifft, die als letzte in der Nahrungskette stehen. Hier stellt sich vor allem die Frage nach „ihrer Erziehung“, was das Aufbewahren von Lebensmitteln anbelangt. Die Abgeordneten fordern von der Europäischen Kommission, einen Guide mit Erklärungen zur Konservierung von Nahrungsmitteln und den Umgang mit Lebensmitteln kurz vor dem Ablaufdatum auszuarbeiten. Der Bericht legt bei den Verbrauchern den Schwerpunkt auf die Prävention im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung. Deshalb fordert dieser von der Europäischen Kommission, spezifische Ziele für die Mitgliedsstaaten festzulegen in diesen Bereichen, die diese bis 2014 erreichen müssen.

Dennoch muss die Verringerung der Lebensmittelverschwendung auf allen Stufen durch eine Kooperation zwischen den Vertretern der Nahrungskette umgesetzt werden.

Eine Kooperation auf allen Niveaus zwischen den Akteuren der Nahrungskette

Der Bericht unterstreicht, dass viele Diskussionsplattformen existieren, die regelmäßige Beiträge zum Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung liefern: natürlich die FAO aber ebenfalls das EU-Einzelhandelsforum zur Nachhaltigkeit, das Hochrangige Forum für die Verbesserung der Funktionsweise der Lebensmittelversorgungskette oder auch das informelle Netz der Mitgliedstaaten mit der Bezeichnung „Friends of Sustainable Food“.

Die Europaabgeordneten appellieren auch an die Europäischen Institutionen!

Die bedeutende Anzahl der europäischen Funktionäre verlangt ein großes System von Restaurants und Kantinen. Die Europaabgeordneten rufen dazu auf, sofort Maßnahmen zu ergreifen, um die Menge der weggeworfenen Lebensmittel in den Kantinen der verschiedenen europäischen Institutionen zu reduzieren.


Es wird den Vertretern geraten, ihre Praktiken ebenso auf europäischem wie auf nationalen Niveau zu ändern – egal ob es sich hierbei um Berufstätige, Forscher, lokale und regionale Verwaltungen oder Vereine handelt. Eine bessere Koordination unter den Mitgliedsstaaten wäre ebenso empfehlenswert - sowie auch eine Stufe tiefer, zwischen den Produzenten und Verbrauchern. Die verschiedenen Kooperationen könnten es ermöglichen, eine bessere Sensibilisierung der öffentlichen Meinung bezüglich des Wertes von Lebensmitteln, landwirtschaftlichen Produkten und den Gründen von Verschwendung herzustellen. Der Bericht geht noch weiter und ermutigt Bildungseinrichtungen aller Niveaus, doch vor allem die Hochschulen, Ernährungskurse (wie bewahrt man Lebensmittel auf, kocht sie und wirft sie weg) anzubieten.

Lösungsvorschläge

Unter den Verschlägen des Berichtes zum Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung wurde die kostenlose bzw. billige Verteilung von mangelhaften Lebensmitteln bezüglich ihrer Form und ihres Durchmessers – ebenso wie jene Produkte kurz vor dem Verfallsdatum – mehrmals von den Europaabgeordneten dargelegt. Die Verteilung bestünde für die Einzelhändler darin, den Preis für frische Produkte substanziell zu senken, wenn sich diese ihrem Verfallsdatum nähern. Neben der Möglichkeit die Kapazität der Lager zu reduzieren, stellt dieser Schritt einen klaren Vorteil für die Verbraucher dar, vor allem für jene mit einem geringen Einkommen, da sie so an Produkte zu einem guten Preis kommen. Aber ein weiteres Hindernis besteht: einige Mitgliedsstaaten untersagen den Verkauf von preisgesenkter Nahrung. Die Europaabgeordnete bedauern diese Situation und fordern die Staaten auf, ihre Gesetze zu ändern.

Eine andere Lösung in diesem Bereich ist die Weitergabe dieser Lebensmittel an die öffentliche Hand. Die Abgeordneten schlagen der Europäischen Kommission vor, Regeln zu schaffen, um die Unternehmen besser zu stellen, die eine kostenlose Verteilung der Güter sicher stellen und die konkrete Aktionen zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung vornehmen. Wie schon des Öfteren wenden sich die Europaabgeordneten an die Mitgliedsstaaten und fordern diese auf, dafür zu sorgen, dass kleine lokale Produzenten an der öffentlichen Vergabe teilhaben können, vor allem jene, die Früchte und Milch für Schulen anbieten.


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