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26/05/2011 Die Kultur: ein diplomatisches Instrument?

Die europäische Diplomatie ist noch wirksamer, wenn sie sich auf die Kultur stützt: Diesen Standpunkt verteidigt ein am 12. Mai vom Europäischen Parlament angenommener Bericht.

Europas kulturelle Vielfalt im Dienst der Diplomatie

Im Bereich der internationalen Beziehungen bedeutet Diplomatie, andere dazu zu bringen, dass sie genau so denken und handeln wie wir es beabsichtigen. Dazu verfügen die Staaten über eine Reihe von mehr oder weniger radikalen Mitteln, wie etwa deren Streit- oder Wirtschaftsmacht. Letztere ist augenblicklich die stärkste Waffe der EU: Eine Androhung der Schließung der europäischen Märkte oder des Einfrierens der europäischen Hilfsgelder hat schon so manches Gegenüber zum Einlenken gebracht.

Es gibt aber noch ein anderes Instrument, ein nicht so frontales, subtileres, für das das Europäische Parlament sich stark macht: Es geht um den Einfluss, vor allem in kultureller Hinsicht, den ein Staat auf andere ausüben kann. Für Marietje Schaake, niederländische Europaabgeordnete der ALDE-Fraktion und Berichterstatterin zu diesem Thema, wäre Europa mit seiner beeindruckend vielfältigen Kultur gut beraten, sich diesen Reichtum zunutze zu machen, um seinen Platz auf der Weltbühne zu festigen.

Eine solche Herangehensweise würde das gegenseitige Verständnis fördern und die europäischen Werte verbreiten, vom wirtschaftlichen Nutzen ganz abgesehen.

Über die Förderung und Verbreitung der europäischen Kultur können bei anderen Gefühle der Verbundenheit oder der Bewunderung ausgelöst werden. Und diese können viel mehr Wirkung erzielen als z. B. das Gefühl der Ehrfurcht (das die EU als Ganzes offensichtlich sowieso nicht zu erwecken vermag).

Ziel: eine in die diplomatische Strategie der EU eingebettete Kulturstrategie

Über Kultur lässt sich durchaus Einfluss nehmen, und gerade Europa genießt in geschichtlicher, künstlerischer oder touristischer Hinsicht ein weltweites Ansehen. Aus diesem Vorteil eine konkrete, abgestimmte Strategie zu entwickeln und diese mit der außenpolitischen Strategie der EU, wie sie vom Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) verfolgt wird, zu verknüpfen: Das ist einer der großen Vorschläge des Berichts, dem zufolge es Europa an einer solchen kulturstrategischen Dimension noch mangelt.

Zum Vergleich zieht Marietje Schaake das Beispiel Chinas heran, das überall auf der Welt "Konfuziuszentren" einrichtet, um seine Kultur zu verbreiten, oder das der Vereinigten Staaten, die ihren internationalen Einfluss nicht zuletzt auch ihrer Unterhaltungsindustrie zu verdanken haben.

Der Rock and Roll hat in kultureller Hinsicht entscheidend dazu beigetragen, die kommunistischen Gesellschaften zu lockern und einer freiheitlichen Welt näher zu bringen.
A. Simonyk, ehemaliger Botschafter Ungarns in den Vereinigten Staaten, zitiert im Bericht von M. Schaake

Ideen zur Umsetzung

Konkret könnte sich dieses Bestreben in der Schaffung einer ausschließlich der Kultur gewidmeten Abteilung innerhalb des EAD oder in der Ernennung einer für die Koordinierung der kulturellen Beziehungen mit Drittländern verantwortlichen Person in jeder EU-Außenvertretung umsetzen. Der Bericht schlägt vor, sich dabei auch an den bewährten Praktiken einzelner Mitgliedsstaaten in Sachen Sprach- und Kulturvermittlung, z. B. Frankreichs "Alliance Française" oder des Vereinten Königreichs "British Council" zu inspirieren.

Die Entwicklung einer "Marke Europa" ist eine weitere Idee, zu der Marietje Schaake sich folgendermaßen geäußert hat: "Die 'Marke Europa' dient […] dazu, im globalen Maßstab zu denken und nicht nur die Unterschiede zwischen den einzelnen EU-Staaten zu sehen. Wenn wir uns unserer globalen Rolle nicht bewusst werden, riskieren wir auf der globalen Bühne an Bedeutung zu verlieren, obwohl wir weltweit die spannendste kulturelle Szene haben."

Eine sehr wichtige Rolle bei der Schaffung und Verbreitung europäischer Kulturgüter und der damit verbundenen Werte räumt der Bericht schließlich den neuen Medien und dem Internet, speziell den sozialen Netzwerken, ein.

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