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25/05/2011 Web-Revue: Schengen, Spams und Eishockey – Echos der letzte Plenartagung

Die Plenartagung vom 9. bis 12. Mai 2011 wurde aufgrund der Schengen-Debatte in der Onlinewelt mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Während der Plenarsitzung fiel dann die Facebook-Seite des Europäischen Parlaments zum ersten Mal einem gezielten Angriff zum Opfer, ausgelöst durch die von der EU geplanten Sanktionen gegen Syrien.

Schengen mobilisiert alle Lager

Die durch mehrere EU-Mitgliedstaaten ausgelöste Debatte um eine etwaige Infragestellung des Schengen-Raums hat die Gemüter und auch die Mikrofone erhitzt. Der Redebeitrag des Grünen-Abgeordneten Daniel Cohn-Bendit, Spezialist für medienwirksame Auftritte, stieß einmal mehr im Internet auf große Resonanz. Seine aufbrausende Rede, in der er die Haltung der Europäer gegenüber den Flüchtlingen anprangert und mehr Verantwortung fordert, wurde im Internet 30 000 Mal angeschaut.

Cohn-Bendits Beitrag ist aber nicht der einzige vielgesehene – was belegt, dass die Debatte längst nicht nur in den Ländern stattfindet, die direkt von dem durch die arabischen Revolutionen zu Jahresbeginn ausgelösten Flüchtlingsstrom betroffen sind. Auch der Redebeitrag des britischen Abgeordneten Nigel Farage (Vorsitzender der nationalistischen Partei UKIP), von dem verschiedene Videos im Internet kursieren, wurde mehr als 15 000 Mal gesichtet. Interessant ist, dass die Rede in ganz Europa auf Anklang stieß: In Polen z. B. wurde das Video von nationalistischen Strömungen aufgegriffen und über Youtube ausgestrahlt. Diese polnische Version wurde etwa 5 700 Mal angeschaut.

Die Parlamentsdebatte fand auch auf Facebook ein Echo. Viele Reaktionen tauchten auf pro-europäischen Profilen auf. Die Jungen Europäischen Föderalisten (JEF-Europe) z. B. riefen zu einer symbolischen Aktion auf: Anstelle ihres Profilphotos sollten Facebook-Nutzer einen durchkreuzten Schlagbaum anzeigen. Mehr als 500 Personen folgten diesem Aufruf.

Spamming der Facebook-Seite des Europäischen Parlaments zugunsten al Assads

Propagandakrieg mit allen Mitteln: Als die Abgeordneten im Plenum über mögliche Sanktionen der EU gegen Syrien diskutierten, wurde die Facebook-Seite des Europäischen Parlaments von einer Spam-Flut heimgesucht. Binnen weniger Minuten gingen mehr als 800 Kommentare auf der Wand des Parlaments ein, alle unterstützten oder priesen den syrischen Präsidenten Bachar al Assad.

Das Web-Team des Europäischen Parlaments musste zurückschlagen und versperrte daraufhin allen Internetverbindungen aus Syrien den Zugang zur Facebook-Seite des Parlaments. Leider gerät dieser Krieg der Symbole im Internet momentan eher zum Vorteil des syrischen Regimes. Letzteres erklärte nämlich, die Seite des Europäischen Parlaments sei nicht zugänglich, weil der technische Dienst der Institution, "dank" der Aktion mutiger syrischer Bürger, die ihren Führer unterstützen, nicht in der Lage sei, sie wieder herzustellen.

Natürlich ist das ein illusorischer Sieg: Die Facebook-Seite des Europäischen Parlaments ist ja immer noch für all jene zugänglich, deren IP-Adresse als nicht in Syrien ansässig erkannt wird. Die vielen Hundert Spams sind das Werk einer kleinen regimetreuen Gruppe. Diese Aktion zeigt aber, wie schnell und wie gut die Diktaturen es lernen, neue Kommunikationstechniken zu ihrem Vorteil einzusetzen. Bis vor kurzem hatten sie noch versucht, die Verbreitung von Nachrichten und die Entwicklung sozialer Netzwerken in der Bevölkerung zu unterbinden.

Jerzy Buzek bringt Weißrussland in Wallung

Nicht nur Michael Schumacher hat mit seinem Besuch im Europäischen Parlament zugunsten der Verkehrssicherheit Aufsehen erregt. Auch Jerzy Buzek sorgte für Tumult – in Weißrussland. Er hatte am 11. Mai erklärt, Weißrussland dürfe vom internationalen Eishockeyverband nicht eher grünes Licht für die Austragung der Eishockey-WM 2014 bekommen, bis das Regime nicht alle politischen Gefangenen befreit habe. Er unterstrich seine Forderung durch ein Schreiben an den Verband.

"Herrn Buzek sollte bekannt sein, dass Sport seit dem antiken Griechenland nichts mit Politik zu tun hat", konterte tags darauf der Sprecher des weißrussischen Außenministeriums, Andrej Sawinych, in einer Presseerklärung in Minsk. Kein Wunder, dass Alexander Lukaschenkos Regime nicht bereit ist, die Austragung dieser WM abzugeben, wo die weißrussische Mannschaft doch seit fünf Jahren weltweit zu den Top 10 gehört.

Auf der oppositionellen Website Charter 97 sind die Reaktionen auf Jerzy Buzeks Forderung eher positiv. Trotz ihrer Liebe zum Eishockeysport befürchtet die weißrussische Bevölkerung scheinbar, dass das Sportereignis nur der Propaganda für Präsident Lukaschenko dient.

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